Frohe Weihnachten und alles Gute für 2017!

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Die Weihnachtszeit eignet sich besonders gut, spielverderberisch die Moralkeule zu schwingen. Abgesehen davon, dass Sie jetzt allenthalben zum Spenden aufgerufen werden und an Ihr latent schlechtes Gewissen appelliert wird (und Sie tatsächlich auch spenden sollten), die besonders konsumfreudigen Vorfesttage eignen sich hervorragend, sich wieder einmal ausgiebig unsere wenig nachhaltige Lebensweise unter die eigene Nase zu reiben. Oder sich zu fragen, ob man denn wirklich Gutes tut, wenn man denkt, man tue es. In einer globalisierten Welt mit komplex verketteten Waren- und Dienstleistungsflüssen kann das ganz schön herausfordernd sein. Auch wenn sich manche Protagonistin und mancher Akteur das gerne so zurechtrücken: Die Welt hört leider an der Schweizer Grenze (oder welcher Grenze auch immer) nicht auf, unabhängig davon, ob Sie sich gerade das neueste iPhone gegönnt haben, eine (Bio-) Avocado in den Salat schneiden oder dem ganzen Weihnachtsstress nach Thailand entfliehen. Das ist natürlich mühsam und anstrengend, ausserdem haben Sie eh schon den ganzen lieben langen Tag genug Ärger. Trotzdem: Wussten Sie, dass ein Kilogramm Rindfleisch punkto Umweltbelastung, sprich CO2-Produktion, 1600 Kilometern Autofahrt entspricht? Tatsächlich ist es besser, eine autofahrende Vegetarierin als ein fleischessender Fahrradfahrer zu sein. (Über die Grässlichkeiten der industriellen und sonstigen ‚Nutztier‘-Haltung sei an dieser Stelle nicht gesprochen, trotzdem gäbe es auch hier noch eine interessante Frage: Wussten Sie, dass ein gemeines Hausschwein über die Intelligenz eines dreijährigen Kindes verfügen kann?) Ja, laut WWF, u.a., sind an die 70 (!) Prozent der direkten Treibhausgase auf tierische Produkte zurückzuführen. Treibhausgase sind die primäre Ursache für den menschengemachten Klimawandel, dessen Auswirkungen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen eher nicht zum Vorteil des Menschen ausfallen werden; Stichworte hier wären etwa Dürre und Überschwemmungen sowie Migration aufgrund der beiden erstgenannten (mit den Auswirkungen der Migration haben wir es ja hier im Wohlstandseuropa auch nicht so). Falls Ihnen das alles zu düster und humorlos ist: Denken Sie mal an eine gewöhnliche Rinderfarm. Dann ziehen Sie sich vor Ihr inneres Auge ein gewöhnliches Rind. Nun überlegen Sie sich, wie oft und in welchen Mengen so ein Rind im Laufe eines gewöhnlichen Tages pupst, rülpst (Rinder und Kühe haben sieben Mägen!) sowie Kot und Urin lässt. Ja, da kommt eine Menge an Methan zusammen. Deswegen ist der Konsum von Butter noch schädlicher als jener von Rindfleisch (entschuldigen Sie, aber das musste ob des Bildes des pupsenden, rülpsenden und sich entleerenden Rindes gesagt sein). Es stimmt und Sie haben ja recht, wie man’s auch macht, es ist nicht recht. Falls Sie Veganerin sind und Avocados mögen: Bitte nur solche aus biologischem Anbau konsumieren. Erstens ist der Anbau von Avocados extrem wasserintensiv und zweitens werden Avocados aus konventionellem Anbau auf Flächen angebaut, auf denen zuvor Regenwald gerodet wurde. Regenwald wiederum, Sie wissen schon, ist irre wichtig fürs Weltklima und brennende Wälder sind jetzt auch nicht so toll (von wegen CO2-Ausstoss, Klimawandel und so). Ich wünsche uns allen frohe und vor allem konsumarme Festtage!

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Frohe Weihnachten“

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Five cents do the job

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Der Mensch ist ein komisches Geschöpf, sein Verhalten oft nur schwer nachvollziehbar. In der letzten Oktoberwoche dieses Jahres hat einer der beiden Grossverteiler, Coop, in zehn Zürcher Filialen eine Kostenpflicht für die berühmten weissen Raschel-Plastikeinwegsäckli eingeführt. Neu sollen sie nicht mehr gratis abgegeben werden, sondern 5 Rappen kosten. Dies hat laut Angaben des erwähnten Detailhändlers dazu geführt, dass 80 Prozent (!) weniger Plastiksäckli abgegeben resp. mitgenommen wurden. Man reibt sich die Augen: wegen eines Kostenaufwands von 5 Rappen! Wenn ich nun jeden Tag, während fünf Tagen die Woche, so ein Säckli kaufe, kostet mich das 25 Rappen. Im Monat wären das 1 Franken, im Jahr 12 Franken. Dem durchschnittlichen Bürger, der durchschnittlichen Bürgerin sind also diese 12 Franken, die in der teuren Zürcher City rund zwei Espressi entsprechen, zu viel, und er resp. sie verzichtet in der Folge darauf. Profitieren tut die Umwelt, wenn es sich hierbei auch um den berühmten Tropfen auf den heissen Stein handelt. Laut Medienberichten verbrauchte die Schweizer Bevölkerung bis anhin jährlich 130 Säckli pro Person, was auf die gesamte Bevölkerung gerechnet rund 1,1 Mia. ergibt, was wiederum 3000 Tonnen Abfall gleichkommt. Nun beläuft sich aber die jährliche Abfallproduktion bei Kunststoffen in der Schweiz auf 1 Mio. Tonnen, da machen die besagten 3000 Tonnen resp. die allfällig zu erwartende Reduktion wenig aus, nämlich nur 0.5 %. Die Gedanken bleiben aber vielmehr an der ‚Effektivität‘ dieser 5-Rappen-Preiserhöhung hängen. Wie ist das möglich? Die Erklärung: Wenn vorher etwas gratis war und nun plötzlich einen (geringfügigen) Betrag kostet, wird das offenbar als ‚zu teuer‘ wahrgenommen und führt zum beschriebenen dramatischen Nachfrageeinbruch. Vergleichbare Effekte sind zu beobachten, wenn Menschen durchaus bereit sind, zusätzliche Wege auf sich nehmen um in einem weiter entfernten Laden eine um 2 Franken günstigere Schokoladentafel zu erstehen, dies aber nicht bereit sind zu tun, wenn sie ein Auto 20’002 Franken kostet – anstatt 20’000 Franken beim weiter entfernteren Händler. Im Fall des Autos sind 2 Franken offenbar weniger wert als im Falle der Schokolade, obwohl 2 Franken in jedem Falle 2 Franken sind. Der Mensch ist ein seltsames Tier, seine Logik oftmals ‚unlogisch‘. Die Verhaltensökonomie hat denn auch in den letzten Jahren zu Recht an Bedeutung gewonnen. Zurück zu den Einweg-Raschelsäckli und der Ökobilanz: Leider muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Mehrwegtaschen nicht unbedingt besser abschneiden. Die Empa konnte in einer Studie vor einigen Jahren zeigen, dass eine Baumwolltasche 84-mal im Einsatz gewesen sein muss, um es mit einer Einwegtüte aus Recycling-Plastik aufnehmen zu können. Der Vollständigkeit halber sei ausserdem erwähnt, dass der andere Grossverteiler, die Migros, seit dem 1.11. gleich schweizweit keine Gratis-Plastiksäckli mehr abgibt.

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Five cents do the job“

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Me, Myself, and I

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Als finster gilt es gemeinhin, das Mittelalter. Dabei war das damalige Leben innerhalb der dicken Stadtmauern aus heutiger Perspektive, welche auf ‚verdichtetes‘ Wohnen, gute Durchmischung, kurze Arbeitswege oder gar ‚Home-Office‘ setzt, geradezu idealtypisch. Es wurde im selben Raum gearbeitet, gegessen und geschlafen, alle packten an, wo die Arbeit anfiel und sogar das Bett – oft gab es nur eins – wurde geteilt, meist auch mit den im selben Haushalt lebenden Mägden und Knechten. Selbst aus feministischer Sicht war das Mittelalter irgendwie ein Paradies: Die Frauen waren selbstredend zu 100% in die Erwerbstätigkeit eingebunden (die ja eben sozusagen im eigenen Wohnzimmer stattfand) und sie trugen dieselbe geschlechtsunspezifische Kleidung wie Männer, lange Gewänder. Die zahlreichen Kinder wuchsen so nebenbei mit auf und mussten bei der Arbeit selbstverständlich mithelfen. Über die Jahrhunderte kam die Ausdifferenzierung von so ziemlich allem, zumindest in den oberen Gesellschaftsschichten. Nicht nur die Kleidung wurde geschlechtsspezifisch, sondern auch die ‚Domäne‘ des Hauses, nämlich das Reich der ‚repräsentierenden‘ Frau, welche die Kinder erzog und des in die Welt hinausgehenden Mannes. Private, intime und öffentliche Räume entstanden, dann die Funktionentrennung von Arbeit und Wohnen auf dem Massstab der Stadt und der Region. Irgendwann kam die ‚Kleinfamilie‘ in Mode, die Generationen wohnten schon lange nicht mehr unter einem Dach, geschweige denn in einem Bett, sondern weitherum verstreut. In unserer modernen Individualgesellschaft leben immer mehr Menschen auf meist ansehnlich vielen Quadratmetern alleine, Freunde sind die neue Familie. Zeitgenössische Trendgurus sprechen von ‚Cocooning‘, ungefähr zu übersetzen mit ’sich-zu-Hause-einmummeln‘ und davon, dass das Schlafzimmer mit dem integrierten Spa-Badezimmer zum ultraprivaten Rückzugs- und Meditationsort wird. Der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk, u.a. Verfasser der monumentalen Trilogie „Blasen, Globen, Schäume“, benutzte dafür in den frühen Nullerjahren die Metapher des Schaums: Der vollkommen auf sich selbst bezogene Mensch lebt in einer Blase im Schaum und teilt sich lediglich noch die Zellenwand mit seinem Nachbarn (immerhin, man ’stützt‘ sich gegenseitig, meine Blase kann nicht ohne deine existieren). Im Prinzip stehen diesem autoerotischen (T)Raum im Schaum zwei Dinge entgegen: Die sich anbahnende Umweltkatastrophe, für die es einige wissenschaftliche Evidenz gibt (Stichworte etwa: Klimaerwärmung, Ressourcenendlichkeit) und das, was wir gemeinhin ‚Gesellschaftsvertrag‘ nennen (Stichworte etwa: Überalterung, Migration). Nun ist der moderne Mensch im Allgemeinen sehr technologiegläubig und so versuchen wir auf alle Probleme technische Antworten zu finden. Von ‚Verdichtung‘ wird da allenthalben gesprochen, ’neue Wohnformen‘, die es zu entwerfen gäbe, ‚effiziente Gebäudehüllen‘, die man entwickeln müsse und ’schadstofffreie Autos‘, die zu produzieren wären. Aber eigentlich geht es um soziale Probleme – also schlicht und einfach um die Frage, wie wir zusammenleben wollen. Dazu gehört natürlich die intensive Selbstbefragung, was der und die Einzelne denn so zu dieser Gemeinschaft beizutragen gedenke. Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Sie auf die Veranstaltung „DAHEIM in der Metropole Schweiz“ vom 24. Oktober 2016 in der Telli-Überbauung in Aarau aufmerksam zu machen, an welcher genau diese Fragestellungen erörtert werden http://www.metropole-ch.ch/. Übrigens, apropos Zusammenleben: man sagt, der Lärm von heute – resp. die weitverbreiteten Klagen und Streitereien darüber – ist, was im Mittelalter der Gestank war.

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Me, Myself, and I“

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Grüne Wirtschaft

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Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir verbrauchen übermässig viele natürliche Ressourcen. Nach den gängigen ‚Fussabdruck-Berechnungsmodellen‘ benötigen wir drei bis vier Planeten um unseren Lebensstil zu ermöglichen. So weit, so klar – was nun? Lösungen müssen her, am liebsten unsichtbare und schmerzfreie. Das Problem der Fussabdrücke ist uns bewusst, im Vordergrund steht dann aber doch das persönliche Wohlergehen. Gefallen finden tun wir an Begriffen wie ‚hedonistische Nachhaltigkeit‘ oder ‚verantwortungsvoller Genuss‘. So winden wir uns und hoffen auf Auswege und Silberstreifen an den Horizonten unseres strapazierten Planeten. Und da schimmert er, der technologische Fortschritt! In wenigen Jahren schon können wir schadstofffrei übers Land und durch die Stadt düsen, der immense und steigende Strombedarf wird dann irgendwie sauber produziert und die Autos natürlich auch schadstofffrei gefertigt. Sie werden ewig halten und wenn nicht, können sie zu 100% recycelt werden. Wohnen werden wir in perfekt isolierten Häusern, unseren Kaffee trinken wir aus kompostierbaren Bio-Max-Havelaar-Kapseln und unsere Frühstücksmangos essen wir ebenfalls nur in Bioqualität, die deswegen auch nicht mit dem Flugzeug transportiert werden dürfen. Die Frachter verbrennen kein Schweröl mehr, sondern irgendeinen emissionsneutralen Treibstoff, den wir ebenfalls dem technologischen Fortschritt zu verdanken haben. Die Raffinerien sind in Windparks umgewandelt worden und die Zugvögel fliegen eine andere Route. Richtiges Fleisch braucht es auch nicht mehr, weil die fortschreitende Tofu-Verarbeitungstechnologie die perfekte Schnitzelimitation ermöglicht. Die Sojabohnen-Produktion ist bis dahin wassersparend und das mit den Frachtern haben wir ja schon gelöst. In den Ferien in Thailand können wir deshalb wieder ohne schlechtes Gewissen im Bio-Spa entspannen und die Flugzeuge, die uns massenhaft dorthin bringen, sind dann zumindest so energieeffizient, dass sie den Anstieg des Massentourismus – allgemeiner Wohlstand, demographischer Wandel und höhere Lebenserwartung – kompensieren. Ansonsten gibt es natürlich immer noch die Möglichkeit einer CO2-Kompensation mit Geld, welches dann beispielsweise in die lokale Bio-Crevettenzucht investiert werden könnte. Das schafft nachhaltig Arbeitsplätze und lässt auch andere am Fortschritt teilhaben. Unser Fussabdruck wird dann gegen Null tendieren, vielleicht sogar ins Positive wachsen, so dass wir anstatt Planeten zu verbrauchen neue produzieren. Unsere alten, schadstoffreichen Autos und sonstigen Dinge haben unterdessen ein zweites Leben in der sogenannten Dritten Welt bis der technologische Fortschritt auch dort angekommen ist. Darauf sollten wir anstossen, natürlich mit Bio-Champagner!

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Grüne Wirtschaft“

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Olympische Stadtentwicklung

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Olympische Stadtentwicklung

Es ist wieder soweit – Olympia! In den nächsten Wochen werden mehr als 17,000 Athleten und Athletinnen im wunderschönen Rio de Janeiro um Medaillenränge und Bestzeiten kämpfen. 206 Nationen mussten hierfür Hunderte Tonnen an Material in die zweitgrösste brasilianische Stadt transportieren lassen. Seit sieben Jahren bereitet sich Rio de Janeiro auf diesen Anlass vor, für Brasilien ist es bereits der zweite sportliche Grossanlass innerhalb von nur zwei Jahren. 2014 fand die Fussballmeisterschaft im grössten Land Südamerikas statt, das Finale ebenfalls in Rio. Auch die Kritik ist gross. Während die korrupte Bauindustrie Milliarden verdient hat, wird die Mehrheit der Bewohner und Bewohnerinnen von den olympischen Spielen nichts mit- und abbekommen: 30 Prozent der Bevölkerung leben in Favelas hinter den grossen Hügeln im Norden der Stadt, wo kaum je ein Besucher oder eine Besucherin hinkommt. Mittel- und langfristig dürfte Rio zwar von den neu erstellten Strassen, Schnellbusverbindungen und der neuen Metro profitieren, und die Austragung von Olympia war auch der Auslöser, die dringend benötigte Hafensanierung an die Hand zu nehmen. Das vorher kaum zugängliche und als gefährlich geltende Gebiet ist nun zu einer Fussgängerpromenade mit Tram und glitzernden Neubauten umgestaltet worden. Gegen solche Projekte könnte man kaum etwas haben, wenn man sie im Detail vielleicht auch besser hätte umsetzen können. Die Fernsehkameras werden unablässig den Zuckerhut und den Christo Redentor zeigen, dazu Menschen, die ausgelassen an der Copacabana tanzen, dem schönsten Strand der Welt. Ja, das ist schön, nur leider lagern hinter der Kulisse gewaltige Probleme – soziale Spannungen, Armut und Umweltverschmutzung. Man wünschte sich, die Stadtregierung von Rio hätte ihre Energie in den letzten sieben Jahren in die Bewältigung dieser Herausforderungen gesteckt. Olympia hat dazu wenig beigetragen, im Gegenteil, viele Probleme haben sich verschärft. Nun sind diese Erkenntnisse wahrlich nicht neu, immer wieder tauchen Missstände im Vorfeld solcher Sportgrossanlässe auf. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass deren Austragung der Stadtentwicklung mehr schadet als nützt. Und trotzdem ist die Euphorie ungebrochen, auch die Schweiz will sich erneut bewerben, diesmal für die olympischen Winterspiele 2026. Gleich zwei Kantone, Waadt und Graubünden, zeigen Interesse – trotz der Problematik solcher Grossanlässe, in deren Vorfeld die Bevölkerung jahrelang Grossbaustellen ertragen muss, damit dann während drei oder vier Wochen Horden von Sportlerinnen, Athleten, Journalistinnen und Funktionäre wie Heuschrecken über die Region herfallen. Es wäre an der Zeit, ein anderes Konzept zu entwickeln!

Eine Lösung wären permanente Austragungsorte, vielleicht je zwei für die Winter- und Sommerspiele und je zwei für die Fussballweltmeisterschaften. Die olympischen Winterspiele könnten z.B. immer in Norwegen stattfinden, vielleicht alternierend mit Österreich oder Kanada, währenddessen die Sommerspiele immer in Griechenland und vielleicht in den USA oder China ausgetragen werden könnten. Für die Fussballweltmeisterschaften wäre natürlich Brasilien prädestiniert, alternierend mit Südafrika – beide Länder verfügen nun schliesslich über eine Unmenge an Stadien für solche Zwecke. Die Länder der permanenten Austragungsorte könnten dazu jeweils zwei Gastnationen einladen, die als Schirmherrinnen das Motto bestimmen sowie die Eröffnungs- resp. die Abschlussveranstaltungen organisieren dürften. Dies könnte man sogleich für diplomatische Zwecke nutzen. Die Gastnationen könnten nach dem Kriterium der politischen Spannungen ausgewählt werden, um dann ganz im Spirit der olympischen Idee Frieden und völkerübergreifende Verständigung zu fördern. Für die gemeine Fernsehzuschauerin und den gemeinen Fernsehzuschauer zu Hause auf dem Sofa ist es hingegen nicht von Belang, wo die Athletinnen ihre Bahnen ziehen resp. Sportler ihre Tore schiessen, da diese sowieso normiert sind – Olympiamasse resp. FIFA-Standard! Das Geld, das fortan gespart würde – nur die Erarbeitung des Konzepts für die Kandidatur Graubündens für Olympia 2026 soll den Kanton 400,000 Franken kosten – könnte nun von den entsprechenden Regierungen für richtige Stadtentwicklungen genutzt werden. Eine klassische Win-Win-Situation!

Fabienne Hoelzel

Kolumne Olympische Stadtentwicklung (download)

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Vom Wert und Preis der Mobilität

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Mobility pricing – das heisst „leistungsabhängige Abgaben im Verkehr“, wobei in den folgenden Zeilen von „leistungsabhängigen Abgaben im Personenverkehr“ die Rede sein soll. Oder auch: Preis und Konsum sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Ökonomisch gesehen wird ein (begrenztes) Gut umso teurer, je öfter es (gleichzeitig) nachgefragt wird. Fluggesellschaften operieren schon lange nach diesem Prinzip. Wenn dies nun auf den öffentlichen Verkehr angewandt wird, erscheint dies vielen als ein Tabubruch. Der gleichberechtigte Zugang zu öffentlichen Gütern, darunter fällt auch der öffentliche Verkehr, ist eine Errungenschaft demokratisch-egalitärer Gesellschaften, denen eine möglichst grosse Chancengleichheit am Herzen liegt; niemand soll nur aufgrund seiner oder ihrer finanziellen Möglichkeiten vom Zugang etwa zu Bildung oder Gesundheitsversorgung benachteiligt oder gar ausgeschlossen werden. Zeitgenössische Urbanistinnen und Mobilitätsexperten stellen denn auch den positiven Zusammenhang zwischen möglichst flächendeckenden, bezahlbaren öffentlichen Verkehrsinfrastrukturen und deren Auswirkungen, nämlich der Zugang zu anderen Menschen, Gütern, Dienstleistungen und Informationen, und (sub-) urbaner Prosperität in den Vordergrund. Soweit so gut so unbestritten. Die frevelhafte Frage soll aber in der wohlstandsgesättigten Schweiz erlaubt sein: Kann der öffentliche Verkehr auch zu attraktiv sein, ja zu günstig? Kann die sub-urbane und urbane Prosperität zu fest prosperieren? Nämlich dann, wenn es einfach normal geworden ist, in Bern zu wohnen und in Zürich zu arbeiten? Oder in Basel zu arbeiten und in Zürich zu wohnen? Oder in Luzern zu wohnen und in Zürich zu arbeiten? Den immer schnelleren und häufigeren Intercity-Verbindungen sei Dank! Oder doch lieber in der durchgrünten, locker besiedelten Agglo den Feierabend grillierend geniessen, nachdem man und frau der täglichen Arbeit in der hektischen Stadt nachgegangen sind? Der S-Bahn sei Dank! Nun dürfte sogar das Feierabendbier im Tessin in Reichweite liegen, nie war man schneller in der italienischen Schweiz als heute. Dann lohnen sich ja auch gleich zwei Wohnsitze – die Schweiz, ein Dorf! In einer liberalen Gesellschaft soll tatsächlich jeder und jede den Lebensstil pflegen können, den er oder sie für unverzichtbar hält – und wir denken ja tatsächlich, dass uns Vieles ‚zusteht‘. Nur: jemand wird die Zeche bezahlen müssen, gratis gab’s noch selten etwas. Vielleicht ist das protestantisch oder gar spiessig, aber vielleicht doch wahr? Wer viel Zug fährt und/ oder oft dann fährt, wenn auch viele andere Zug fahren wollen müssen, soll einfach mehr bezahlen? Wer dann fährt, wenn die Busse fast leer sind, bezahlt einfach weniger? Und wäre es nicht auch einfach irgendwie gerecht, dass die, die lieber im Grünen unsere Landschaften steuergünstig zersiedeln, auch einen Preis dafür bezahlen? Wäre es eben nicht einfach genau deswegen gerecht, weil es eben nicht verboten wäre, sondern einfach nur einen (höheren) Preis hätte? Das soll nun aber nicht dazu verleiten, alles nur ökonomisch zu betrachten. Vielleicht ist es auch ungerecht, weil nur jene die Landschaften zersiedeln dürfen, die es sich (finanziell) leisten können? Manche Dinge sollen, ja müssen normativ diskutiert werden, zum Beispiel – ja! – die Zersiedelung der Landschaft, gerade wenn einem liberales Gedankengut nahe steht. Dasselbe gilt übrigens für die ‚innere Verdichtung‘, nicht, dass jene, die jetzt die Landschaft zersiedeln, argumentieren, sie fänden ja gar keine Wohnung in der Stadt. Als emanzipierte Frau ist es nun ziemlich paradox, den Chauvinisten Oscar Wilde (1854-1900) zu zitieren, aber es sei hier nun doch getan, meinte er doch schon vor über hundert Jahren, dass die Leute heutzutage (also das damalige Heutzutage) von allem den Preis und nicht den Wert der Dinge kennen würden. Was heisst das nun für unser Feierabendbier in Lugano bei Sonnenuntergang unter importierten Palmen, mit Sicht auf See und (un-) verbaute Hügel? Viel Spass beim Rechnen, aber vergessen Sie bloss nicht, nachher die Zeche zu begleichen.

 Fabienne Hoelzel

Kolumne „Vom Wert und Preis der Mobilität“

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Atomenergie ade

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Die Stadt Zürich mag nicht mehr und steigt aus der Atomenergie aus – zwar erst 2034, aber immerhin gibt es diesbezüglich nun seit dem 5. Juni 2016 einen Volksentscheid. Und zwar einen deutlichen, mit 70% Ja-Stimmenanteil (bei einer zugegebenermassen eher durchschnittlichen Stimmbeteiligung). Optimistinnen und Optimisten sehen in diesem Entscheid eine Signalwirkung für die eidgenössische Abstimmung zum selben Thema im November dieses Jahres, wenn eine Volksinitiative der Grünen an die Urne kommt. Wobei der Ausstieg aus der Atomenergie dann bereits bis 2029 über die Bühne müsste. Die Gegnerinnen und Gegner des Atomausstiegs argumentieren mit drohenden Versorgungsengpässen und steigenden Energiekosten. Eine vollständige Umstellung der Energieproduktion auf erneuerbare Quellen bis 2029 ist vermutlich äusserst sportlich, ein Ausstieg bis 2050 müsste aber zu schaffen sein. Man reibt sich ein bisschen verwundert die Augen, dass ausgerechnet die hochtechnologisierte, an Geldern und Spitzenforschung reiche Schweiz in dieser zukunftsweisenden Frage so defensiv agiert, zumindest auf gewissen politischen Bühnen. Das von konservativ-bürgerlicher Seite gerne ins Feld geführte Argument der Kosten, welcher Art auch immer, ist kein stichhaltiges, sondern ein fadenscheiniges. Der Entschluss zum gestaffelten Verzicht auf Atomenergie und fossile Energieträger könnte sich letztendlich sogar finanziell durch die Etablierung eines neuen Wirtschaftszweiges auszahlen. Viele Länder und Regionen dieser Welt leiden an Stromunterversorgung; das Exportpotential für die hiesige Forschung und Industrie für dezentralisierte, erneuerbare Energiequellen ist gewaltig. Marktökonomen und -ökonominnen mögen nun monieren, dass sich Angebot und Nachfrage ‚frei‘ formieren sollen – also, dass die Nachfrage nach erneuerbaren Energien nicht ‚künstlich‘ durch Fördergelder erzeugt werden soll oder darf. Nur: Atomstrom ist auch subventioniert, von den hohen Kosten des bis jetzt noch nie durchgeführten Rückbaus ganz zu schweigen. Der Zürcher FDP-Stadtrat Andreas Thürler befürchtet gar, dass die Stadt Zürich allfälligen Interessenten Geld bezahlen müsse (!), damit diese die Aktienpakete der Stadt Zürich an den Atomkraftwerken Gösgen und Leibstadt sowie die Bezugsrechte den französischen KKW Bugey und Cattenom übernehmen. Der ‚Markt‘ scheint also auch für Atomenergie nicht zu funktionieren …

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Atomenergie ade“

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Stadt passiert woanders

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Jedes Land leistet sich seine Folklore, Gags und Besonderheiten. Im Falle der Schweiz kündigen sich diese prominent über die Lautsprecher in der Zürcher Flughafenbahn bei Abfahrt oder Ankunft im Terminal E an: Mit dem Muhen von Kühen und dem Läuten ihrer Halsglocken, herzhaft begleitet von Jodelklängen und Juchzern. Man bzw. frau wähnt sich nicht etwa in einer Metropole – immerhin der grössten Schweizer Stadt! – sondern irgendwo auf der Kuhweide, buchstäblich. Dass diese Assoziation gar nicht so falsch ist, bewies vor wenigen Tagen die grosse Kammer unseres Parlaments, der Nationalrat. Dieser gedenkt nämlich, unseren Bauern und Bäuerinnen grosszügige Steuergeschenke zu machen. Unglaubliche 400 Millionen Schweizer Franken könnten damit in Zukunft dem Bund an Einnahmen entgehen, und dies, weil die Bauern und Bäuerinnen auf Gewinne durch Wertsteigerungen aus dem Verkauf von Baulandreserven keine Einkommenssteuern zahlen wollen. Ein mittlerer Skandal, unterhält doch die Schweiz bereits eine hochsubventionierte Landwirtschaft, die uns jährlich Milliarden kostet. Sparen wir also lieber woanders, beispielsweise in der Raumplanung, in den Agglomerationen etwa, gerne auch in der Bildung, bei der Kinderbetreuung, bei den Tagesschulen oder beim Vaterschaftsurlaub. Hauptsache sparen! Schliesslich müssen wir demnächst auch noch eine zweite Gotthardröhre für 3 Milliarden finanzieren. Politik mag Interessensvertretung sein und ja, Politikerinnen und Politiker müssen in kurzen Abständen immer mal wieder gewählt werden. Politik wäre allerdings in erster Linie als Leistung zu verstehen, durch welche das Land gestaltet und für die Zukunft fit gemacht würde, um es etwas salopp im Sportlerjargon zu formulieren. Übrigens, Politik bedeutet aus dem Griechischen übersetzt „Dinge, die die Stadt betreffen“. Nicht in der Schweiz. Hier dominieren ländliche Interessen die Politik, womit sich der Kreis schliesst: Die Kühe muhen am Flughafen Zürich völlig zu recht. Stadt passiert irgendwo anders. Gestaltet wird sie auch lieber nicht, dafür zersiedeln wir lieber die Landschaft. Muh!

 Fabienne Hoelzel

Kolumne „Stadt passiert woanders“

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Statt der Milchkühe

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In zwei Monaten stimmen wir über die sogenannte Milchkuh-Initiative ab, die sich – entgegen ihrem Namen – nicht der Landwirtschaft, sondern der Strassenfinanzierung widmet (als Milchkühe gelten in diesem Falle die Autofahrerinnen und -fahrer). Das Initiativkomitee, angeführt von den Autoimporteuren, möchte 1,5 Milliarden Franken an Mineralölsteuereinnahmen von der allgemeinen Bundeskasse in die Strassenkasse umleiten, zusätzlich zu den 1,5 Milliarden derselben Steuer, die schon heute in den Erhalt und Ausbau des Strassennetzes fliessen. Angesichts der zunehmenden Kapazitätsengpässe sollen sämtliche Abgaben aus dem Strassenverkehr für den Bau und Unterhalt des Strassennetzes verwendet werden, so das Hauptargument. Die Initiative, die u.a. vom Schweizerischen Städteverband, aber auch vom Wirtschaftsverband Economiesuisse sowie dem Bundesrat und dem Parlament abgelehnt wird, dürfte vor dem Volk aus heutiger Perspektive kaum Chancen haben. Unterdessen hat der Bundesart den vom Prinzip her ähnlich gestrickten, aber weniger weit gehenden, unbefristeten Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) ins Leben gerufen, der auf Verfassungsstufe verankert werden soll. Diese „halbe Milchkuh“ – um bei den gewählten Metaphern zu bleiben – will ebenfalls Beiträge aus der Bundeskasse für den Strassenunterhalt und -ausbau verwenden, zumal die Erhöhung des Vignettenpreises zum selben Zweck Ende 2013 vom Stimmvolk abgelehnt worden ist. So oder so sind die (Quer-) Finanzierungs- und Umlagerungsströme komplex, eine Entbündelung täte Not – und grundsätzlich zielt die ganze Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Es ist hinlänglich bekannt, dass unsere Strassen- und Bahninfrastrukturen nicht unendlich ausgebaut werden können (vom entsprechend ansteigenden Unterhalt ganz zu schweigen), schlicht und einfach weil es an Platz und Geld fehlt. Es ist ebenso klar, dass die Bevölkerung der Schweiz weiterhin wächst. Und noch viel klarer ist, dass Mobilität zu billig ist. Niemand, weder Autofahrerinnen noch Benützer des öffentlichen Verkehrs, zahlt die wahren Kosten. Was ist zu tun? Mobilität reduzieren oder wenigstens verlagern! Konzepte des sogenannten Mobility Pricing schlagen vor, dass die Kosten einer Fahrt in den Stosszeiten teurer sein sollen als in den Rand- und Zwischenstunden. Das Ziel ist, mehr Leute über finanzielle Anreizsysteme dazu zu bewegen, ihre Fahrten in Nebenverkehrszeiten zu verlegen, um unsere Infrastrukturen gleichmässiger auszulasten. Damit aber Mobilität weiterhin für alle bezahlbar bliebe, müssten ebenfalls hinlänglich angedachte Konzepte wie flexible Arbeitszeiten, zusammen mit Arbeiten von zu Hause aus, sowie entsprechend angepasste Unterrichtszeiten in den Schulen etc. zur Anwendung kommen. Die ganze Thematik ist ein Lehrstück, wie wir trotz besseren Wissens fröhlich auf einem Weg weiterwursteln, der sich als wenig befriedigend erwiesen hat und die politischen Klingen lieber auf Nebenkriegsschauplätzen wetzen. Wer wenn nicht die reiche, kleine, nahezu vollständig urbanisierte Schweiz, die zudem Standort zahlreicher führender Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen ist, könnte hier vorangehen und fortschrittliche Lösungen entwickeln und erproben?

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Statt der Milchkühe“

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Politik des Konsums

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Vor wenigen Tagen meinte die deutsche BWL-Professorin Evi Hartmann im jetzt Magazin der Süddeutschen Zeitung: „Ich trage Kleidung, besitze ein Smartphone und fahre Auto. Das sind ungefähr 60 Sklaven, die derzeit für mich arbeiten, ob ich das möchte oder nicht.“ Das Gespräch fand anlässlich des Erscheinens ihres neuen Buches mit dem Titel „Wie viele Sklaven halten Sie?“ statt. Lassen Sie doch bei nächster Gelegenheit, also etwa beim morgigen Feierabendeinkauf fürs bevorstehende Z’nacht, slaveryfootprint.org ausrechnen, wie viele Sklavinnen und Sklaven in die Fertigung der Produkte Ihrer Wahl involviert sind. Bei mir, als nicht-autofahrende, vegetarisch lebende Zürcher Innenstädterin mit Sommer-Vespa, waren es immerhin noch 35 Sklavinnen und Sklaven. Besagter Sklavinnenrechner ist gewiss etwas makaber, öffnet aber eindrücklich die Augen für die Zusammenhänge der globalisierten (Billig-) Produktion. Denn: je günstiger ein Produkt produziert respektive, verkauft wird, umso grösser sind die Chancen, dass Menschen unter erbärmlichen Umständen – sozial und ökologisch – an deren Herstellung beteiligt waren. Darunter versteht man Menschen, die in den Minen Afrikas von Hand nach Mineralien schürfen oder Arbeiterinnen und Arbeiter, die für 60 oder 70 Rappen pro Stunde bei grosser Hitze und ohne jede Pause durcharbeiten müssen, oft unter Androhung von Strafe bei Missachtung der „Regeln“. Da kann einem schon mal der Appetit auf die günstigen Crevettli oder die Lust auf ein neues Blazerli von H&M vergehen. Jenen, die bereits biologisch und „fair“ einkaufen, hilft ein WWF-Online-Label-Ratgeber (http://www.wwf.ch/de/aktiv/besser_leben/ratgeber/lebensmittellabels/) alle gängigen, in der Schweiz erhältlichen Bio- und Fair-Trade-Labels, inkl. Non-Food-Labels bezüglich ihrer Wirksamkeit und Versprechen besser einzuordnen, von „ausgezeichnet“ bis „bedingt empfehlenswert“. Sie finden es fürchterlich anstrengend, sich bei jedem Produkt, das uns in den prall gefüllten Lebensmittelregalen und Kleiderständern verführerisch anlächelt, Gedanken zur Wertschöpfungskette zu machen, zumal Sie ja viel beschäftigt sind? Konsum ist eine politische Handlung, die wir tagtäglich, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt, vollziehen. Sie mögen keine weltumspannenden Grosskonzerne, die Steuern „optimieren“ und wollen erfinderisches Jungunternehmertum unterstützen? Kaufen Sie ein Fairphone. Sie wollen Bäuerinnen und Bauern in armen Ländern unterstützen und sind für eine nachhaltige Landwirtschaft? Essen Sie Demeter-Bananen. Sie verachten Nestlé für seine Praktiken und George Clooney geht Ihnen auf die Nerven? Trinken Sie wilden, handgepflückten Bonga-Red-Mountain-Kaffee aus Äthiopien, bio, fairtrade und in Kapseln erhältlich. Ihnen ist Tierquälerei ein Graus und Sie wollen ruralen Gemeinschaften ein Einkommen ermöglichen? Verschenken Sie einen handgewebten, GOTS-zertifizierten Schal aus Peru. Es ist ziemlich cool, die Welt jeden Tag ein bisschen zu retten, so ganz nebenbei, und Sie sehen dabei erst noch besser aus. So ein iPhone hat schliesslich jede und jeder – ziemlich unsexy!

Fabienne Hoelzel

 

Kolumne „Politik des Konsums“

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