Five cents do the job

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Der Mensch ist ein komisches Geschöpf, sein Verhalten oft nur schwer nachvollziehbar. In der letzten Oktoberwoche dieses Jahres hat einer der beiden Grossverteiler, Coop, in zehn Zürcher Filialen eine Kostenpflicht für die berühmten weissen Raschel-Plastikeinwegsäckli eingeführt. Neu sollen sie nicht mehr gratis abgegeben werden, sondern 5 Rappen kosten. Dies hat laut Angaben des erwähnten Detailhändlers dazu geführt, dass 80 Prozent (!) weniger Plastiksäckli abgegeben resp. mitgenommen wurden. Man reibt sich die Augen: wegen eines Kostenaufwands von 5 Rappen! Wenn ich nun jeden Tag, während fünf Tagen die Woche, so ein Säckli kaufe, kostet mich das 25 Rappen. Im Monat wären das 1 Franken, im Jahr 12 Franken. Dem durchschnittlichen Bürger, der durchschnittlichen Bürgerin sind also diese 12 Franken, die in der teuren Zürcher City rund zwei Espressi entsprechen, zu viel, und er resp. sie verzichtet in der Folge darauf. Profitieren tut die Umwelt, wenn es sich hierbei auch um den berühmten Tropfen auf den heissen Stein handelt. Laut Medienberichten verbrauchte die Schweizer Bevölkerung bis anhin jährlich 130 Säckli pro Person, was auf die gesamte Bevölkerung gerechnet rund 1,1 Mia. ergibt, was wiederum 3000 Tonnen Abfall gleichkommt. Nun beläuft sich aber die jährliche Abfallproduktion bei Kunststoffen in der Schweiz auf 1 Mio. Tonnen, da machen die besagten 3000 Tonnen resp. die allfällig zu erwartende Reduktion wenig aus, nämlich nur 0.5 %. Die Gedanken bleiben aber vielmehr an der ‚Effektivität‘ dieser 5-Rappen-Preiserhöhung hängen. Wie ist das möglich? Die Erklärung: Wenn vorher etwas gratis war und nun plötzlich einen (geringfügigen) Betrag kostet, wird das offenbar als ‚zu teuer‘ wahrgenommen und führt zum beschriebenen dramatischen Nachfrageeinbruch. Vergleichbare Effekte sind zu beobachten, wenn Menschen durchaus bereit sind, zusätzliche Wege auf sich nehmen um in einem weiter entfernten Laden eine um 2 Franken günstigere Schokoladentafel zu erstehen, dies aber nicht bereit sind zu tun, wenn sie ein Auto 20’002 Franken kostet – anstatt 20’000 Franken beim weiter entfernteren Händler. Im Fall des Autos sind 2 Franken offenbar weniger wert als im Falle der Schokolade, obwohl 2 Franken in jedem Falle 2 Franken sind. Der Mensch ist ein seltsames Tier, seine Logik oftmals ‚unlogisch‘. Die Verhaltensökonomie hat denn auch in den letzten Jahren zu Recht an Bedeutung gewonnen. Zurück zu den Einweg-Raschelsäckli und der Ökobilanz: Leider muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Mehrwegtaschen nicht unbedingt besser abschneiden. Die Empa konnte in einer Studie vor einigen Jahren zeigen, dass eine Baumwolltasche 84-mal im Einsatz gewesen sein muss, um es mit einer Einwegtüte aus Recycling-Plastik aufnehmen zu können. Der Vollständigkeit halber sei ausserdem erwähnt, dass der andere Grossverteiler, die Migros, seit dem 1.11. gleich schweizweit keine Gratis-Plastiksäckli mehr abgibt.

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Five cents do the job“

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