Grüne Wirtschaft

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Wir leben über unsere Verhältnisse. Wir verbrauchen übermässig viele natürliche Ressourcen. Nach den gängigen ‚Fussabdruck-Berechnungsmodellen‘ benötigen wir drei bis vier Planeten um unseren Lebensstil zu ermöglichen. So weit, so klar – was nun? Lösungen müssen her, am liebsten unsichtbare und schmerzfreie. Das Problem der Fussabdrücke ist uns bewusst, im Vordergrund steht dann aber doch das persönliche Wohlergehen. Gefallen finden tun wir an Begriffen wie ‚hedonistische Nachhaltigkeit‘ oder ‚verantwortungsvoller Genuss‘. So winden wir uns und hoffen auf Auswege und Silberstreifen an den Horizonten unseres strapazierten Planeten. Und da schimmert er, der technologische Fortschritt! In wenigen Jahren schon können wir schadstofffrei übers Land und durch die Stadt düsen, der immense und steigende Strombedarf wird dann irgendwie sauber produziert und die Autos natürlich auch schadstofffrei gefertigt. Sie werden ewig halten und wenn nicht, können sie zu 100% recycelt werden. Wohnen werden wir in perfekt isolierten Häusern, unseren Kaffee trinken wir aus kompostierbaren Bio-Max-Havelaar-Kapseln und unsere Frühstücksmangos essen wir ebenfalls nur in Bioqualität, die deswegen auch nicht mit dem Flugzeug transportiert werden dürfen. Die Frachter verbrennen kein Schweröl mehr, sondern irgendeinen emissionsneutralen Treibstoff, den wir ebenfalls dem technologischen Fortschritt zu verdanken haben. Die Raffinerien sind in Windparks umgewandelt worden und die Zugvögel fliegen eine andere Route. Richtiges Fleisch braucht es auch nicht mehr, weil die fortschreitende Tofu-Verarbeitungstechnologie die perfekte Schnitzelimitation ermöglicht. Die Sojabohnen-Produktion ist bis dahin wassersparend und das mit den Frachtern haben wir ja schon gelöst. In den Ferien in Thailand können wir deshalb wieder ohne schlechtes Gewissen im Bio-Spa entspannen und die Flugzeuge, die uns massenhaft dorthin bringen, sind dann zumindest so energieeffizient, dass sie den Anstieg des Massentourismus – allgemeiner Wohlstand, demographischer Wandel und höhere Lebenserwartung – kompensieren. Ansonsten gibt es natürlich immer noch die Möglichkeit einer CO2-Kompensation mit Geld, welches dann beispielsweise in die lokale Bio-Crevettenzucht investiert werden könnte. Das schafft nachhaltig Arbeitsplätze und lässt auch andere am Fortschritt teilhaben. Unser Fussabdruck wird dann gegen Null tendieren, vielleicht sogar ins Positive wachsen, so dass wir anstatt Planeten zu verbrauchen neue produzieren. Unsere alten, schadstoffreichen Autos und sonstigen Dinge haben unterdessen ein zweites Leben in der sogenannten Dritten Welt bis der technologische Fortschritt auch dort angekommen ist. Darauf sollten wir anstossen, natürlich mit Bio-Champagner!

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Grüne Wirtschaft“

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