Systemgrenze

 

Wassersparen

Vor einigen Tagen wurde die Jahresstatistik 2015 des Gebäudeprogramms veröffentlicht, mit unerfreulichem Ergebnis: von den jährlich zur Verfügung stehenden 200 Millionen Franken wurden 100 Millionen nicht genutzt! Die Subventionen, via Bund verteilt, durch die Kantone bewilligt und über die CO2-Abgabe finanziert, will Anreize schaffen, veraltete Bauteile bestehender Gebäudehüllen, also Dächer, Aussenwände und Böden, die das Haus nach aussen abschliessen, durch besser gedämmte zu ersetzen. In der Schweiz verursachen Gebäude rund die Hälfte des gesamten CO2-Ausstosses, dieser wiederum ist für die (menschengemachte) Klimaerwärmung verantwortlich und lässt für die Zukunft wenig Gutes hoffen, wenn es nach den Klimaforschenden geht. Es gäbe also alle Gründe der Welt, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den CO2-Gehalt in der Atmosphäre einzudämmen. Expertinnen streiten sich darüber, warum das Gebäudeprogramm nicht die erhoffte Wirkung zeigt, während Gebäudetechniker argumentieren, dass mehr Gewicht auf die Gebäudetechnik, also Dinge wie Heizungs-, Warmwasser- und Lüftungssysteme, gelegt werden sollte, was aber wiederum durch kantonale Zusatzprogramme gefördert wird. Es ist also etwas kompliziert, aber eigentlich recht einfach: Sie sanieren Ihre Gebäudehülle, oder Teile davon, und erhalten dafür Fördergelder. Nach der Sanierung produzieren Sie weniger CO2 und sparen Geld, weil die Wärme nun von Ihren neu gedämmten Fassaden, Boden- und Dachelementen besser zurückbehalten wird und Sie weniger heizen müssen. Doch Untersuchungen zeigen Erstaunliches: Viele Leute heizen ihr saniertes Haus nicht mehr nur auf 21 Grad, sondern auf 24 Grad! Ein Grad mehr bedeutet aber bis zu 10 Prozent mehr Energieverbrauch. So gesehen wäre es besser, das durch die bessere Dämmung eingesparte Geld in einen warmen Pullover zu investieren – selbstverständlich aus GOTS-zertifizierter Produktion – um die 21 Grad im Gebäudeinnern auszuhalten als kurzärmlig den 24-Grad-Feierabend zu geniessen. Sie haben es aber nun mal gerne warm und den Winter finden Sie sowieso eine überflüssige Jahreszeit? Dann gibt es vielleicht in absehbarer Zeit die gute Nachricht, dass Sie sich den Karibikflug (um der Kälte zu entfliehen) sparen können: Klimaerwärmung! Diese wird auch bei uns in Zukunft zu wohlig warmen Wintern führen, wobei wir dann vermehrt über die Kühlung der Gebäude reden werden. Aber auch dann sind gut gedämmte Häuser geld- und energiesparend. Bevor ich’s vergesse: Eine der Gründe, der für den mässigen Erfolg des Gebäudeprogramms angeführt wird, ist die mangelhafte Kenntnis darüber. Das wenigstens kann Ihnen nun nicht mehr passieren. Infos gibt es hier: www.dasgebaeudeprogramm.ch

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Systemgrenze“

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Zweispuriger Alpenschutz

Wir Schweizerinnen und Schweizer sind ein Volk mit Sinn für Humor und Ironie. Der Beweis? Demnächst werden wir nämlich darüber abstimmen, ob wir eine zweite, zweispurige Gotthardröhre bauen wollen, nur damit die erste, bestehende, zweispurige Gotthardröhre saniert werden kann. Wenn dann nach dem Bau der zweiten, zweispurigen Röhre und der Sanierung der ersten, zweispurigen Röhre beide Röhren zur Verfügung stehen, dann sollen diese nur je einspurig befahren werden. Wer hat’s also erfunden, die Konstruktion zweier zweispuriger Tunnelröhren, die dereinst nur je einspurig befahren werden sollen? Wir Schweizerinnen und Schweizer! Warum sollen wir auch zweispurig fahren, wenn es auch einspurig geht – zumal noch im Doppelpack! Damit sind genügend Vorlagen für Kabarettprogramme und Werbespots zur Bekanntmachung der einheimischen Eigenart bereitgestellt, ungefähr ab dem Jahre 2040 oder so. Pessimistinnen unter uns werden argwöhnen, dass, wenn dann diese zweite Spur, genau genommen, zwei zweite Spuren zur Verfügung stehen werden, diese dann auch befahren würden. Optimisten (und Technologiegläubige) werden einwenden, dass im Jahre 2040 oder so schon längst autonome Fahrzeuge unterwegs sein werden, betrieben mit Strom (wie dieser ’sauber‘ produziert werden soll, ist dann Gegenstand einer anderen Kolumne), so dass der Alpenschutz sowieso gewährleistet sei. Und um diesen ginge es ja im Übrigen: Vor 22 Jahren, Ende Februar 1994, hat das Stimmvolk damals überraschend mit 52% der Stimmen (und einer Mehrheit der Stände) die sogenannte Alpen-Initiative angenommen. Im Art. 84 der Bundesverfassung steht seither, dass die Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet nicht erhöht und der alpenquerende Gütertransit auf die Schiene verlegt werden soll. Dass der Bau einer zweiten Gotthardröhre verfassungswidrig ist, wäre damit bewiesen. Da helfen auch die einspurig befahrenen Doppelspuren nicht weiter. Im politischen und sonstigen Tagesgeschäft ist es so eine Sache, langfristige Vorhaben zu planen und umzusetzen sowie in weitsichtigen, grossen, ja, mutigen, Linien zu denken und vor allem: zu handeln. Wenn es schon beim Alpenschutz hapert, so hoffe ich, dass Ihre Neujahrsvorsätze ein bisschen länger als bis zum Abstimmungssonntag reichen.

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Zweispuriger Alpenschutz“

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Innere Verdichtung

Man und frau sind sich grundsätzlich einig, wenigstens aber zu 62.9%. So hoch war der Anteil jener, die am 3. März 2013 zum verschärften Raumplanungsgesetz auf Bundesebene Ja gesagt haben – Ja zur Unterscheidung zwischen Baugebiet und Nichtbaugebiet, Ja zur „Siedlungsentwicklung nach innen“ und Ja zur Schaffung von „kompakten Siedlungen“. Denn das eine ist ohne das andere nicht zu haben, bei wachsender Bevölkerung und vor allem: einem Pro-Kopf-Siedlungsflächenverbrauch von mehr als 400 m2, den wir beanspruchen um zu wohnen, einzukaufen, herumzufahren, zu arbeiten und uns zu vergnügen. In der Umsetzung der hehren Ziele hapert es aber. Der Verein „Nachhaltige Siedlungsentwicklung“ sammelt nun Unterschriften für eine Volksinitiative, welche die Eindämmung der Zersiedelung unter Erweiterung von Art. 75 in die Bundesverfassung schreiben will, Bauzonen schliessen und dort kompakte Siedlungen bauen will, wo die Schweiz weder Dorf noch Stadt ist, nämlich in der Agglo. Bundesrat und Parlament würden sich weigern, wirksam gegen die Zersiedelung vorzugehen, schreibt das Initiativkomitee. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Einsicht, die einem bei der Ansicht verschandelter Landschaften – etwa bei einer Zugsfahrt durchs Wallis – ein Ja auf den Stimmzettel schreiben liess, verschwindet schnell, sobald es um einen persönlichen, uneigennützigen Beitrag an ein übergeordnetes und langfristiges Gesellschaftsziel geht. Da ist einem das eigene Hemd doch näher. Noch schnell ein Hüsli oder eine Eigentumswohnung mit Sicht ins mehr oder weniger Grüne kaufen, bei günstigem Boden, günstigen Hypotheken, günstiger Mobilität und gerne noch mit günstigen Steuern? Die anderen können sich ja einschränken, aber ich? Solange es noch Angebote im Regal gibt, wird zugelangt, ohne Rücksicht auf Verlust. Die Initianten und Initiantinnen irren somit. Das Problem ist nicht „Bundesbern“, sondern Sie und ich, die wir allzu gerne dann doch lieber das billige Hemd kaufen als das teure, fair produzierte. Darum: Unterschreiben Sie die Initiative und stimmen Sie bei einer allfälligen Abstimmung Ja – um vom Gesetz gezwungen zum Gemeinwohl beizutragen.

Fabienne Hoelzel

Kolumne „Innere Verdichtung“

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Ausbildung in Regionalentwicklung

In den letzten Jahren sind die Regionen wieder vermehrt ins Blickfeld von Politik und Wirtschaft geraten – allerdings mit einer veränderten Optik. Die neuere Diskussion fokussiert Fragen der Wertschöpfung, der Wettbewerbs- und der Innovationsfähigkeit. Regionalpolitik will künftig vermehrt Innovationspotenziale fördern, Kooperationen unterstützen, den Strukturwandel begleiten und so zu einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Regionen beitragen.
Das interdisziplinär ausgerichtete CAS-Programm der Hochschule Luzern vermittelt fachliches Grundwissen zum Verständnis von Veränderungsprozessen. Es befähigt die Studierenden zur Initiierung, Planung, Steuerung und Leitung von komplexen Projekten und Prozessen im regionalen Raum.

Dieses CAS-Programm ist Bestandteil des MAS Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung und kann separat abgeschlossen werden.

Die nächste Info-Veranstaltung findet am 23. Oktober 2014 statt.

Flyer zur Ausbildung

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Veranstaltung zur neuen Regionalpolitik

10.30−16.30 Uhr
Kursaal, Bern
Die formation-regiosuisse-Einstiegsveranstaltungen sind Kleinveranstaltungen für Personen, die sich neu mit dem Thema «Neue Regionalpolitik (NRP)» – auch im Rahmen von INTERREG – befassen. Angesprochen sind Akteurinnen und Akteure an Schlüsselstellen von NRP und INTERREG: Mitarbeitende der kantonalen Fachstellen, Mitarbeitende, aber auch Vorstände von Regionalmanagements und anderen regionalen Entwicklungsträgern sowie weitere interessierte Kreise. Die eintägige Veranstaltung vermittelt einen Überblick über konzeptionelle Grundlagen sowie über die Praxis der NRP.
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Ausbildung in Raumentwicklung

Gemeinden, Städte und Regionen stehen vor grossen und vielfältigen Herausforderungen. Die Internationalisierung der Wirtschaft, der technische Wandel, der sich verschärfende Standortwettbewerb und tief greifende gesellschaftliche Umwälzungen wie etwa die zunehmende Individualisierung, der demografische Wandel oder die globale Migration erfordern Anpassungen und Veränderungen. Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Soziale Arbeit und Raumplanung stehen vor anspruchsvollen Aufgaben. Sie müssen die oft wider- sprüchlichen Anforderungen durch Veränderungsprozesse positiv und nachhaltig beeinflussen.
Das interdisziplinär ausgerichtete MAS-Programm Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung der Hochschule Luzern vermittelt fachliches Grundwissen zum Verständnis von Veränderungsprozessen. Es befähigt die Studierenden zur Initiierung, Planung, Steuerung und Leitung von komplexen Projekten und Prozessen im kommunalen, urbanen und regionalen Raum.

Die nächste Info-Veranstaltung findet am 12. November 2013 statt.

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Migration und Urbanität

Migrationsbedingte Mobilität war seit jeher konstitutiv für die Entwicklung von Städten. Städte oder Stadtteile bilden die konkreten Orte, an denen sich die kulturelle, ökonomische und politische Dynamik lokaler und globaler Prozesse immer wieder aufs Neue in Übergangs- und Zwischenräumen vermischen. Solche Orte und Räume sind jedoch immer auch mit diversen gesellschaftlichen Ein-, Ausgrenzungs- und Normierungsprozesse überlagert und prägen damit die Handlungsmöglichkeiten der Akteure und Akteurinnen.

Im Rahmen der 13. Internationalen Konferenz Migration und Urbanität soll das Verhältnis von Migration und Urbanität aus verschiedenen disziplinären Perspektiven, etwa der Sozialen Arbeit, der Soziologie, der Erziehungswissenschaften, der Musik und Literatur, der Sprachwissenschaften, der Wirtschaftswissenschaften, der Anthropologie oder der Geschichte diskutiert und reflektiert werden.

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Landschaft – ein wichtiger Standortfaktor unserer Städte und Gemeinden

Das revidierte Raumplanungsgesetz als indirekter Gegenvorschlag zur Landschaftsinitiative wurde Anfang März 2013 mit grossem Mehr angenommen. Damit bekannte sich die Schweizer Bevölkerung dazu, die Zersiedlung zu stoppen und der Landschaft Sorge zu tragen. Das gilt auch für die Landschaften in Siedlungsnähe und im Agglomerationsraum. Diesen Landschaften widmet sich die Tagung «Landschaft – ein wichtiger Standortfaktor unserer Städte und Gemeinden», die am 20. Juni 2013 gemeinsam von der VLP-ASPAN und der WSL in Olten durchgeführt wird.

Zur Anmeldung

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Dichter bauen und Wohnqualität erhalten

Die Siedlungsflächen müssen klar begrenzt und die bestehenden Städte und Dörfer müssen nach innen verdichtet werden. Das hat nichts mit Verlust von Lebensqualität oder dem Bau von Wohnsilos zu tun. Verdichtung ist ein ambitioniertes, aber plan- und machbares Vorhaben.

Zwei einfache Rechnungen machen es deutlich: 60 Einwohner pro Hektare sind eine gesunde Dichte im ländlichen Raum, bei der sich niemand eingeengt fühlt und die genügend Freiräume für Grünflächen lässt. Im Kanton Aargau leben durchschnittlich nur 45 Einwohner pro Hektare. Also wäre es dort mit den richtigen Massnahmen zur Verdichtung möglich, 30 Prozent mehr Menschen auf der bestehenden Siedlungsfläche wohnen zu lassen, ohne dass die Lebensqualität abnehmen würde.

Allerdings müssen wir unseren persönlichen Bedarf an Wohnfläche reduzieren: 50 Quadratmeter beanspruchen wir heute pro Kopf; 40 täten es doch auch. So kämen wir zu 20 Prozent zusätzlichem Wohnraum.

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DARUM Raumplanung

Der Begriff Raumplanung war Langezeit negativ behaftet. Die Öffentlichkeit interessiert sich sich zunehmend für Fragen der Raumplanung, wie auch das jüngste Abstimmungsergebnis zur Zweitwohnungsinitiative gezeigt hat. Mit der Wanderausstellung «DARUM Raumplanung» wollen die ETH Zürich und der Schweizerische Ingenieur und Architektenverein (SIA) den Besuchern und Besucherinnen vermitteln, was Raumplanung in der Schweiz leistet. Wir alle beeinflussen unbewusst mit unserem Verhalten die Raumentwicklung, aber wir können und sollen sie auch aktiv mitgestalten.

Die dreisprachig angelegte Wanderausstellung ist in einem eigens dafür konzipierten Schiffscontainer untergebracht. Vom 12. Juni 2012 bis zum 6. November 2012 ist «DARUM Raumplanung» jeweils eine Woche lang an einem von insgesamt 19 Standorten in allen Sprachregionen der Schweiz zu sehen.

 

 

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